Frau lehnt entspannt an Wand im warmen Sonnenlicht

Totalverlust? Wie wahrscheinlich ist das wirklich – und wie du dich absichern kannst

Stell dir vor, du liest den Beipackzettel eines Medikaments. Da stehen Nebenwirkungen wie schwere allergische Reaktionen, Leberprobleme oder Blutgerinnungsstörungen. Klingt bedrohlich. Erst der kleine Zusatz „tritt nur bei 1 von 10.000 Patienten auf“ nimmt dem Ganzen den Schrecken.

Genauso ist es beim Thema „Totalverlust“. Das Wort wirkt groß und gefährlich. Doch sobald man Wahrscheinlichkeiten dagegenhält, wird klar: Bei einem breit gestreuten Wertpapiersparplan ist ein kompletter Verlust so wahrscheinlich, wie dass alle Glühbirnen in einer Stadt exakt im selben Moment durchbrennen. Und wie oft hast du das schon erlebt? Noch nie? Also!

Was bedeutet Totalverlust überhaupt? 

Totalverlust heißt: Dein eingesetztes Geld ist komplett weg.

  • Mit Einzelaktien ist ein Totalverlust realistisch – nicht wahrscheinlich bei jedem Unternehmen, aber immer ein mögliches Szenario. Ein Unternehmen kann in Insolvenzschwierigkeiten geraten, das muss nicht zwangsläufig das Ende bedeuten, manchmal gelingt auch eine Sanierung. Kommt es jedoch tatsächlich zur Insolvenzabwicklung, werden zunächst alle Gläubiger bedient. Für Aktionäre, die in der Rangfolge ganz hinten stehen, bleibt dann in der Regel nichts übrig – ihre Aktien verlieren damit ihren gesamten Wert. Studien zeigen: Rund 40 % aller jemals börsennotierten Unternehmen sind irgendwann vom Markt verschwunden, sei es durch Insolvenz, Übernahme oder Delisting (vgl. Studie von Bessembinder, 2017). Wichtig dabei: Ein echter Totalverlust betrifft nur den Teil der Unternehmen, die insolvent gegangen sind. Übernahmen oder Delistings bedeuten zwar ein „Verschwinden vom Markt“, führen aber nicht dazu, dass dein Geld vollständig verloren ist.
  • Bei ETFs oder Fonds, die Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen bündeln, sieht das anders aus. Damit hier ein Totalverlust eintritt, müssten alle Unternehmen gleichzeitig pleitegehen – also die gesamte Weltwirtschaft kollabieren. Und dies hat es historisch in über 100 Jahren Börsengeschichte noch nie gegeben, nicht einmal annähernd. Selbst in den schlimmsten Krisen (1929, 2008, Corona) gab es keinen Komplettausfall.

Risiken im Alltag – ein Perspektivwechsel 

Wir alle gehen Risiken ein, ohne lange darüber nachzudenken:

  • Wir fahren Auto, obwohl Unfälle passieren können.
  • Wir gehen spazieren, obwohl uns, zumindest theoretisch, ein Blitz treffen könnte.
  • Wir nehmen Medikamente, obwohl sie Nebenwirkungen haben können.

Warum machen wir es trotzdem? Weil wir gelernt haben, Risiken einzuordnen und Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen. Genau das sollten wir auch beim Thema Geldanlage tun.

Drei Hebel, die deine Risiken klein halten 

  1. Breite Streuung (Diversifikation): Breite Streuung ist das A und O. Sie sorgt dafür, dass ein Totalausfall so unwahrscheinlich ist, dass er in der Praxis als nahezu undenkbar gilt. Wenn du dein Geld nicht nur in eine einzige Aktie steckst, sondern breit auf viele Unternehmen, Branchen und Länder verteilst, kann der Ausfall einzelner Unternehmen dein Depot nicht komplett vernichten. Ein Beispiel: Geht ein Unternehmen pleite, macht das in einem ETF mit 1.500 Unternehmen vielleicht 0,07 % aus, aber niemals 100 %. Deshalb ist eine breite Streuung absolut zentral, wenn es darum geht, das Risiko eines echten Totalverlustes auf ein Minimum zu reduzieren.
  2. Langer Atem (Anlagehorizont): Ein langer Anlagehorizont verhindert keinen Totalverlust direkt, er schützt dich aber davor, dass aus vorübergehenden Schwankungen keine echten Verluste werden. Selbst breit gestreute ETFs können zwischenzeitlich stark fallen, in der Finanzkrise 2008 etwa um rund 40 % in einem Jahr. Wer in dieser Phase panisch verkauft hat, hat die Verluste realisiert. Wer aber dabeigeblieben ist, hat die Rückkehr der Märkte erlebt und am Ende meist Gewinne erzielt. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Mit zunehmender Haltedauer sinkt das Risiko negativer Ergebnisse deutlich. In den historischen Daten zum DAX waren 15-Jahres-Zeiträume fast immer mit positiven Renditen verbunden. Ein langer Anlagehorizont ist zwar kein direkter Schutz vor Totalverlust, aber sehr wichtig, um kurzfristige Einbrüche nicht zu dauerhaften Verlusten werden zu lassen.
  3. Regelmäßiges Sparen (Cost-Average-Effekt): Ein Sparplan schützt ebenfalls nicht vor einem theoretischen Totalverlust – also wenn die Weltwirtschaft komplett kollabiert. Aber: Wer regelmäßig investiert, verteilt seine Käufe auf viele Zeitpunkte. Dadurch sinkt das Risiko, alles ausgerechnet zu einem ungünstigen Zeitpunkt – etwa kurz vor einer Krise – investiert zu haben. Der sogenannte Cost-Average-Effekt glättet die Schwankungen und hilft, nicht frustriert auszusteigen. Der Cost-Average-Effekt ist also kein Schutz vor einem Totalverlust, aber ein wirksamer Puffer gegen schlechte Kaufzeitpunkte und emotionale Fehlentscheidungen.

Fazit: 

Wir halten fest: Die Erfahrungen aus über 100 Jahren Börsengeschichte zeigen klar – ein Totalverlust ist beim breit gestreuten Wertpapiersparplan kein realistischer Endgegner. Dein echtes Risiko heißt Aufschieben und damit die Renditechancen zu verpassen, die vor allem der Kapitalmarkt über die Zeit ausspielt. Also, leg los. Klein anfangen, dranbleiben, breit streuen. Nicht, weil es Garantien gibt, sondern weil die Wahrscheinlichkeit, dass es sich für dich lohnt, um Welten höher ist, als dass alles verschwindet.

Wertpapiersparen eröffnet Chancen, geht aber immer auch mit Risiken einher. Mehr dazu findest du hier.

Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine werbliche Information, die nicht den gesetzlichen Anforderungen an die Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Dieser Text stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar, da im Rahmen dieser Information die persönlichen Umstände, Ziele und Vorstellungen von Kunden keine Berücksichtigung finden. Er soll lediglich die selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung.